Einen gesellschaftspolitischen Skandal hat der / die / das "Standard" aufgedeckt: Frauen bleiben lieber zu Hause bei ihren Kindern, statt zu arbeiten.

Die Zahlen für Mai 2009 zeigen, dass der Väteranteil bei den KindergeldbezieherInnen weiterhin bei sehr geringen 4,5 Prozent liegt. Darüber hinaus belegt die Statistik, dass die Mehrheit (79 Prozent) die längste Variante für den Kindergeldbezug gewählt hat

Nicht nur, dass es weiterhin Frauen sind, die die Kinder aufziehen, nein, sie entscheiden sich außerdem trotz der nun vorhandenen Wahlmöglichkeiten dafür, die längstmögliche Bezugsdauer in Anspruch zu nehmen

Jesses! Die armen Frauen! Müssen Kinder bekommen, sie aufziehen und sind dann noch zu dämlich, sich den Wünschen ihrer feministIschen GenossInnen zu unterwerfen.

Somit bleibt die Gewissheit, dass die Mehrheit der österreichischen Jung-Mütter zweieinhalb Jahre mit 436 Euro in der eigenen Geldtasche leben. In totaler Abhängigkeit von ihrem meist erwerbstätigen Partner. Ohne Anschluss an eine Erwachsenenwelt außerhalb des Kinderspielplatz-Universums. Und das auch noch freiwillig?!

Freiwillig? Freiwillig? Ja, wenn es wenigstens Zwang wäre, wie in anderen, uns überlegenen Kulturen. Aber freiwillig? Der aufrechten Feministin stellen sich die Haare auf: Wie kann es nur sein, dass Menschen ihr Leben selber gestalten möchten, statt dankbar die Lebensentwürfe anderer anzunehmen?

Auch eine fortschrittliche Familienpolitik hat Fakten im Auge - etwa die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern, die im Alter fehlende finanzielle Absicherung von Frauen oder ganz allgemein die nachlassende gesellschaftliche Teilhabe von Frauen durch eine Mutterschaft, die geprägt ist von Rückzug aus der Öffentlichkeit. Nur zeigt sich, dass diese Fakten bei den Betroffenen offensichtlich nicht ankommen, oder eben in Kauf genommen werden.

Ja, es ist ganz furchtbar! Jedes Jahr verhungern tausende alte Frauen mitten auf der Straße ... Natürlich könnte man die Gegenfrage stellen, ob es sich bei den "Fakten" tatsächlich um ebensolche handelt.

Zu Recht fragt sich die AutorIn:

Wie eine fortschrittliche Familienpolitik umsetzen, wenn sie von den Frauen nicht angenommen wird?

Na, was schon: Verbieten und verordnen! Hat sich doch bislang bestens bewährt.

Gerade jetzt, wo bereits die vierte Variante des Kindergeldes in Arbeit ist, sollte endlich Klarheit darüber geschaffen werden, welche komplexen gesellschaftlichen Vorgänge Frauen so zählebig von einer nüchteren Betrachtung ihrer prekären Situation abhalten

Hilfe! Warum denkt denn niemand an die Frauen? Geknechtet, unterdrückt, versklavt, dem drohenden Hungertod ausgesetzt ...

Aber ernsthaft: Jedem seine Meinung. Und genau darin unterscheidet sich der Liberalismus vom autoritären Feminismus: Liberalismus bedeutet, dem Individuum seine Freiheit zuzugestehen. Diese Freiheit kann mitunter in Ausprägungen erfolgen, die nicht jedem gefallen.
Hingegen nimmt der Feminismus sowohl einen globalen Vertretungsanspruch "der Frauen" (also mehrere Milliarden Menschen) ein, als auch den Anspruch des Besitzes der Weisheit. In Artikeln wie diesem kommt die Bevormundung sehr schön zum Ausdruck: Frauen haben gefälligst auf eine bestimmte Weise zu "funktionieren".
Der Gedanke, dass es genauso wenig "die Frauen", wie "die Männer", "die Deutschen" oder "die Biertrinker" gibt, sondern lediglich Individuen, die ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen besitzen, dürfte so mancher/manchem FeministIn ein Dorn im Auge sein. Anders kann ich mir diesen starrsinnigen Wunsch nach der Erziehung "der Frauen" nicht erklären.