Bekanntlich muss man im Leben Prioritäten setzen. Ein lobenswertes Prinzip, dem sich auch eine texanische Richterin verschrieben hat.

Am Abend des 25. September 2007 sollte Michael Richards im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Gerade hatte das Oberste US-Gericht einen Einspruch gegen die Verfassungsmäßigkeit der Giftspritze angenommen, jetzt versuchten Richards Anwälte in letzter Minute, beim Obersten Strafgerichtshof von Texas einen Aufschub der Hinrichtung zu erwirken.

Als sie nach einer Computerpanne gegen 16.50 Uhr beim Gericht anriefen und darum baten, die Schließung um 20 Minuten zu verzögern, antwortete ihnen der Gerichtsschreiber auf Anweisung von Richterin Sharon Keller: "Wir schließen um 17 Uhr."

Pech für den Todeskandidaten: Er wurde noch am selben Abend entlebt.
Aber auch die Richterin hat wenig zu lachen: Ein Disziplinarverfahren wurde gegen sie eröffnet, das im schlimmsten Falle knallharte Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Im Falle eines Schuldspruchs droht ihr nun die Entlassung.

Wahnsinn! Und das wegen einer solchen Lappalie. Sollte es tatsächlich zu dieser unmenschlichen Entscheidung kommen, sollte man ihr einen Job in Österreichs oder Deutschlands Amtsstuben verschaffen. Denn genau solche "Dienst nach Vorschrift"-Leute mit gesunder "Ich habe jetzt Mittagspause!"-Mentalität können wir immer gebrauchen.