Jaaa, er lebt noch!

Afghanistans Holzkopfmichel taucht mit der Hartnäckigkeit des Ungeheuers von Loch Ness in den Schlagzeilen auf. Wobei ich nicht zu raten wage, welche der beiden Gestalten fiktiv ist und welche real sein könnte. Denn: Zwei Kriege, Billionen von Dollar, tausende tote oder verwundete Soldaten ließ sich die US-Regierung den "War on Terror" kosten, dessen Primärziel natürlich Bin Laden ist.

Nun ranken sich um den Terrorpaten vielerlei Gerüchte, die teilweise nicht unplausibel erscheinen. Obwohl der ungefähre Aufenthaltsort des meistgesuchten Mannes der Welt seit jeher bekannt sein soll, entwischte er immer wieder seinen Häschern. Angesichts eines Kopfgeldes von 25 (!) Millionen US-Dollar auf seine Ergreifung muss der Berufsethos innerhalb der Al-Kaida ungewöhnlich hoch sein. In Deutschland wäre er vermutlich schon für einen neuen Fernseher an den CIA verraten worden.

Doch genug hiervon: WIe lautet seine neue Botschaft?

"Seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten "haben wir viele Male gezeigt und erklärt", dass die Ursache der Meinungsverschiedenheiten mit den USA deren Unterstützung ihrer "israelischen Verbündeten ist, die unser Land Palästina besetzen", erklärte Bin Laden weiter. Dass dies nicht verstanden werde, "hat euch viel gekostet, ohne jegliches Ergebnis". "Wenn ihr den Krieg beendet, dann ist es gut. Wenn nicht, haben wir keine andere Wahl als unseren Zermürbungskrieg an jeder Front weiterzuführen."

Mit anderen Worten: Im Osten nichts Neues! Interessant ist allenfalls, dass Bin Laden neuerdings offenbar zu faul für Videobotschaften geworden ist, da das Video mit Standbild versehen wurde. Irgendwie kann ich ihn verstehen: Ewig dieselbe Leier - Tod den USA und Israel - zu sülzen ist auf Dauer nervig.
Weshalb überlegt er sich nicht einfach etwas Neues, statt Jahr um Jahr, Botschaft um Botschaft denselben Sermon zu verbreiten? Es gäbe so viele Möglichkeiten, hunderten Millionen Menschen ein wenig Abwechslung zu bieten!

Auch wenn Bin Laden Moslem ist und das Weihnachtsfest vermutlich nicht begehen wird: Wäre dies nicht eine schöne Gelegenheit, positive Vibrations zu verbreiten? Es spräche doch nichts dagegen, die nächste Botschaft etwa folgendermaßen abzuschließen: "Tod dem Großen Satan USA und seinen Verbündeten! Mögen eure jämmerlichen Eingeweide zu Boden klatschen und von räudigen Hunden gefressen werden, auf dass ihr unsägliche Pein auf eurem Weg in die Hölle durchleiden möget! Den Juden mögen zusätzlich noch die Plomben herausfallen! Ach, und bei der Gelegenheit möchte ich euch noch Frohe Weihnachten wünschen."

Leider wissen wir auch nicht, an welchem Tag Bin Laden geboren wurde. Wüssten wir dies, könnten wir ihm Geburtstagskarten schreiben und ihn abfangen, wenn er auf dem Postamt sein Schließfach (Briefkasten dürfte er wohl keinen haben) räumt. Ob er wohl ein Handy besitzt? Wir könnten ihn in den Wahnsinn treiben, indem wir seine Telefonnummer im Web verbreiteten. Jeden Tag zig Call-Center-Anrufe würden sogar ihn fertig machen. Man könnte auch seine Daten bei diversen Abzockerseiten im Web angeben, auf dass er täglich "letzte Mahnungen" erhielte, obwohl er sich nirgends registriert hat.

Doch all dies setzt voraus, dass Bin Laden überhaupt noch am Leben ist. Man kann es der US-Regierung nur wünschen, denn ohne ihn geriete sie unter ziemlichen Druck. Dank ihm bzw. seinen regelmäßigen Videobotschaften mit Standbild kann der "War on Terror" munter weitergeführt werden.
Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.
Wenn es ihn gäbe, müsste man ihn finden.

Ich fürchte, wir würden noch dermaßen viel von ihm hören, dass uns selbiges und sehen vergehen wird.