Ein leider immer noch grassierender Mythos der rechtskonservativen Reaktionärsböslinge lautet, dass hohe Steuern, ja, Steuern an sich ungerecht seien. Bedauerlicherweise tappt auch die "Bild" in die rechtspopulistische Falle und behauptet, höhere Steuern seien "eine Sauerei".
Obwohl die Regierung für 2010 massive Steuerentlastungen plant, müssen viele Arbeitnehmer ab Januar sogar mehr Steuern zahlen als bisher!
Dies mag zwar faktisch stimmen, ist aber viel zu kurzsichtig gedacht. Tatsächlich können Steuern gar nicht hoch genug angesetzt sein, da die Solidargemeinschaft des Staates ihren Bürgern schier zahllose unschätzbare Leistungen und Produkte liefert. Um dies zu begreifen, muss man einfach nur die Perspektive wechseln. Stellen Sie sich vor, es gäbe einen Minimalstaat, der sich lediglich um wenige Funktionen wie innere Sicherheit kümmerte. Die Folgen wären ein endloser Alptraum!
Plötzlich würden private Unternehmen Straßen bauen und bei Benützung dieser Straßen Maut verlangen, statt die Kosten gerechnt auf alle Bürger aufzuteilen, selbst wenn sie die Straßen überhaupt nicht benutzen. Ganz zu schweigen vom volkswirtschaftlichen Schaden: Private Unternehmen trachten danach, die Ausgaben möglichst gering zu halten, während bei staatlichen Bauaufträgen Kosten keinerlei Rolle spielen. Baufirmen oder Zulieferer müssten plötzlich mit weniger Einnahmen das Auslangen finden - eine Katastrophe!
Oder, um in mein Heimatland zurückzukehren, die krisengeschüttelten Banken. Die "Hypo Group Alpe Adria" etwa wäre ohne Staatshilfe vermutlich gar nicht mehr existent. Man stelle sich vor, ein solches Unternehmen müsste sich dem grausamen Freien Markt stellen! Niemand würde sein Kind zum Spielen in ein Löwengehege schicken. Aber wehrlose Unternehmen sollen sich den menschenverachtenden Praktiken des Kapitalismus stellen?
Glücklicherweise haftet das reiche Bundesland Kärnten mit 18 Milliarden Euro, was bei einer Bevölkerung von 560.000 Eingeborenen nur rund 32.000 Euro pro Kopf oder Nase ausmachen würde.
Zugegeben: Das klingt viel, ist es auch, aber ist uns Geld wichtiger als das glückliche Lächeln von Politikern oder Managern? Denken Sie darüber einmal nach!
Natürlich sind das bloße Zahlenspielereien, denn die angehäuften Staatsschulden übersteigen ohnehin die Möglichkeit, sie jemals wieder abbezahlen zu können. Die heute erhobenen Steuern decken nicht einmal die Zinszahlungen ab, weshalb unablässig Neuverschuldung vonnöten ist.
Falls Sie wieder einmal an Ihrem Arbeisplatz stehen und sich fragen, wozu Sie sich dumm und dämlich abrackern, nur, um gerade mal eben über die Runden zu kommen, geraten Sie bitte nicht in Versuchung, an der Gerechtigkeit dieses System zu zweifeln. Es ist gerecht! Dafür sorgen schon zig tausende Politiker und Beamte, die das ihnen anvertraute Geld bestmöglich verwalten. Ja, mehr noch: Sie verwalten sogar Ihr Leben, indem sie Ihnen die Entscheidung abnehmen, welche Substanzen Sie Ihrem Körper zuführen dürfen oder nicht, wie Sie Ihr Haus bauen dürfen bzw. nicht, ob Sie Ihre Kinder behalten dürfen oder nicht, etc.
Denken Sie darüber nach. Sie werden mir gewiss zustimmen, dass die Steuern für diese wundervollen Dienstleistungen noch viel zu niedrig bemessen sind.
