Erschreckenderweise sind nicht nur Blauwale oder Elefanten seit Jahren vom Aussterben bedroht, sondern mittlerweile sogar der Nazi. Wo sich noch vor Jahrzehnten Millionen mal mehr, mal weniger begeisterte Anhänger und Sympathisanten alleine in Mitteleuropa tummelten, sind die Bestände inzwischen auf wenige Restexemplare geschrumpft.
Wie die «Bild»-Zeitung berichtete, sind bis Ende November 624 Gewalttaten von Rechtsextremisten erfasst im Vergleich zu 682 Delikten im Vorjahreszeitraum. Das entspreche einem Rückgang um 8,5 Prozent. Auch die Zahl der von rechten Schlägern Verletzten sei demnach um knapp 14 Prozent von 713 auf 614 Personen (Stand November) zurückgegangen.
Eine mehr als nur Besorgnis erregende Entwicklung. Zahlreiche Vereine und Organisationen, die sich dem "Kampf gegen Rechts" widmen, könnten in wenigen Jahren obsolet werden. Nun mag der eine oder andere Leser mit den Schultern zucken. Unbeachtet bleibt dabei der Verlust traditioneller Bekenntnisse, zu den Guten zu gehören, ohne sich in Gefahr begeben zu müssen. Während etwa der Kampf gegen islamistischen Terror tatsächlich mit Gefahr für Leib und Leben verbunden sein kann, zählt der "Kampf gegen Rechts" zu den unproblematischsten Möglichkeiten, sich als guter Mensch zu deklarieren. Aktive Leute organisieren oder besuchen Demos gegen den Faschismus; wer es bequem mag, kann auch eines der unzähligen Banner gegen Faschismus / Nazismus / Rechtsradikalismus auf seiner Website integrieren und sich als Widerstandskämpfer outen. Das kostet nicht viel, nicht einmal Mut, und man kann sich einfach großartig fühlen, weil man es den Nazis mal wieder so richtig gezeigt hat!
Und mehr noch: Würden wir nicht all die schönen Ansprachen der Damen und HerrInnen Politiker vermissen, in denen sie zu Wachsamkeit und Widerstand gegen Rechts aufrufen? All diese Bekenntnisse, dem edlen Menschenschlag anzugehören, der das Böse bekämpft, gingen plötzlich flöten und wären ebenso sinnentleert, als würde die Bundeskanzlerin vor brandschatzenden Wikingerhorden warnen.
Kurzum: Der Nazi darf nicht aussterben! Wir brauchen ihn! Wir brauchen Leute, die in lächerlichen Pseudo-Uniformen zu zehnt durch die Straßen marschieren und hohlbirnige Phrasen brüllen, während die Polizei sie vor dem Antifaschistenmob beschützt.
Wir brauchen diesen Wohlfühlfaktor "gegen Rechts"!
Schon alleine deshalb, um uns nicht mit den weitaus drängenderen Problemen unserer Zeit befassen zu müssen ...
