Ich möchte wirklich nicht arrogant oder abwertend klingen, aber wir Christen haben zumindest in Sachen Kommunikation mit dem Allmächtigen einfach den besseren Draht als unsere moslemischen Glaubenskonkurrenten. Niemand muss uns zum Gebet aufrufen, weil wir für gewöhnlich ohnehin nicht beten. Und wenn doch, dann in schlimmen Zeiten, wenn man auf jeden Strohhalm der Hoffnung zurückgreift. Überhaupt ist die Prozedur denkbar einfach: Hände falten, eventuell den Blick leicht nach oben wenden, um nicht den Falschen anzurufen, das Anliegen murmeln, fertig. Sodann geschieht das Wunder oder auch nicht, woraufhin der Betende erleichtert oder so richtig sauer ist.
Ganz anders bei den Moslems. Da muss offenbar sogar die Bet-Richtung stimmen, nämlich gen Mekka. Warum, weiß ich auch nicht. Vielleicht laufen dort die gesammelten Gebete auf einem Anrufbeantworter zusammen und werden in mühsamer Kleinarbeit von Allah abgehört. Problematisch wird es, wenn man die Richtung, in der Mekka liegt, nicht exakt bestimmt. So geschehen in Indonesien, wo der Rat der Religionsgelehrten in einem im März herausgegebenen Edikt besagte Richtung falsch angegeben hatte. Rund vier Monate lang beteten indonesische Moslems gen Afrika. Nicht, dass dem von bösen Weißen arg geschundenen Kontinent positive Vibrations nicht guttun würden. Trotzdem bitter für die Gläubigen, die all ihre Hoffnung in die falsche Richtung schickten. Was soll ein Kongolese mit der Bitte um eine prächtige Ernte irgendwo in Indonesien anfangen?
Indes bin ich mir nicht sicher, was ich davon halten soll:
"Nach einer sorgfältigen Untersuchung durch einige Kosmologen und Astronomen kamen wir zu dem Schluss, dass sie Richtung Südsomalia und Kenia gebetet haben", sagte Ma'ruf Amin, ein prominentes Mitglied des Religionsgelehrtenrats.
Möglicherweise bin ich nicht mehr ganz auf dem Laufenden, aber sind Astronomen tatsächlich der geeignete Ansprechpartner für geographische Belange? Und wie schwierig kann es wohl sein, anhand der Weltkarte in einem Atlas die korrekte Richtung von Mekka herauszufinden? So weit es mir bekannt ist, hat sich die Lage von Mekka innerhalb der letzten Jahre nicht wesentlich verändert.
Wäre ich Indonesier, wäre mein Vertrauen in diese "Gelehrten" spätestens jetzt erheblich erschüttert. Da helfen auch diese Ausflüchte nicht:
"Gott versteht, dass Menschen Fehler machen. Allah hört ihre Gebete immer", sagte Amin.
Wozu dann überhaupt noch Mekka suchen, wenn offenbar völlig egal ist, in welche Richtung man betet?
Und vor allem: Woher kennen die eigentlich Gottes Gedanken? Haben die ein rotes Telefon mit direkter Hotline gen Paradies, um im Notfall Rat einzuholen?
Zumindest in einem Punkt irrt der Gelehrte: Menschen machen nicht nur Fehler, sie sind ein Fehler. Oder hat sich schon jemals ein Hund seines Glaubens wegen in die Luft gesprengt? Oder einen Abtreibungsarzt zu Tode gebissen? Womit ich keinesfalls Tieren ihre Gläubigkeit absprechen möchte. Meine Katze etwa glaubt ganz fest daran, dass ich ihr jeden Tag Futter gebe. Bislang habe ich sie nie enttäuscht.
Bislang ...
